• die experimentelle Lesebühne -
    zum Vortragen, Reden, Mitmachen


im basement der theaterkapelle 10245; Boxhagener Straße 99
jeden 4. Sonntag im Monat

Texte

Lyrakel - die experimentelle Lesebühne ist ein Podium, bei dem die TeilnehmerInnen auch selbst den Stift in die Hand nehmen. Hier werden einige Texte vorgestellt, die vorgetragen bzw. die vor Ort entstanden sind.

Januar08 .....November07.......Mai070.......April07

Oktober 2008
Inspiration Herbst: Verschiedene Herbstgedichte wurden vorgelesen und dienten als als Impuls für folgende Texte:

HERBSTMOSAIK
Ich fühle wie still und ruhig ich werde
in gold und purpur
erblühten welt
still und ruhig...
das trunken vorm küssen
geht und kommt und geht

ruhig und still
ein schweigen
in leeren fenstern wohnend.

Suzana Garic

"Der Herbst kann doch nicht deine Lieblingsjahreszeit sein!", brüllt er mir ins Ohr, während sich der Regen Schnellstraßen über unsere Gesichter bahnt.
Wir teilen uns das Regencape und versuchen halb geduckt ins trockene zu gelangen. Der Wind zerrt unbarmherzig an unserem Regenschutz und nur die Köpfe, mit zerzausten Frisuren, bleiben trocken.
Ich warte mit meiner Antwort, bis wir dem Wind mit vereinten Kräften die Haustür vor der Nase zugeschlagen haben.
"Im Sommer wäre es jetzt noch hell, da könnte ich keine Kerze anmachen.", versuche ich zu erklären.
"Musst du länger aufbleiben.", kommentiert er trocken.
"Im Herbst kann ich unbesorgt durch den Park spazieren, da ist es den Vergewaltigern zu kalt draußen", ergänze ich.
"Kannste im Winter auch.", bekomme ich zu hören.
Ich lege mein letztes Argument auf den Tisch.
"Im Herbst sieht man der Natur beim Ausziehen zu. Das schöne goldene Kleid wird Blatt für Blatt abgestreift. Oder guckst du den Frauen etwa lieber beim anziehen zu?".

Ulrike Zweynert

Es waren nicht diese ewigen Stunden, die ich wartete, auch nicht die Angst über die verbleibende Einsamkeit, sondern der Gedanke, es könnte dir einmal so ergehen wie mir, die Vorstellung, was mit dir geschehen würde, wenn du dasitzen würdest und warten tätest. Das bereitete mir wirklich, wirklich, wirklich Sorgen. Ich erinnere mich noch an jenen Tag, da du mit ansehen musstest, wie ich mir bei der Küchenarbeit das Messer tief in den Handballen schnitt und das Blut in einem Schwall emporspritzte. Ja, daran kann ich mich erinnern, wie du mit panischem Gesicht da standest, Ohnmächtig, unfähig zu handeln und in Sorge um mich einen Schreikrampf bekamst. So galt in jenen Momenten meine Sorge mehr dir, als meiner Wunde und ich legte dich auf das Sofa um dich zu trösten und dir zu versichern, dass alles gut sei. Auch wird mir immer im Gedächtnis bleiben, wie sehr du mich gescholten hast, wegen meines Zigarettenkonsums, dass es doch nicht gut für mich sei und was du doch ohne mich machen würdest, wenn ich vor dir ginge.
Aber nichts von alledem ist geschehen. Jetzt ist da nur das kahle Zimmer, nur die kahle Wohnung und es scheint mir als hättest du mehr mitgenommen, als nur deinen Körper und dem daran anheftenden Charakter. Vielleicht hast du diesem Ort etwas geraubt, mitgenommen in deiner Tasche, hast es in dich aufgesogen und wirst es vermutlich nicht wieder mitbringen.
So setze ich mich also, und beginne Muster in die Tapete zu ritzen mit meinen kurzen Fingernägeln, beginne Strich für Strich die Wand zu bearbeiten um ihnen zu sagen, dass sie dich vergessen sollen, dass du niemals wiederkommen wirst. Ich werde mir nicht mehr die Haare schneiden, werde nicht das Blut stillen, welches aus meinen Fingerkuppen rinnt, werde nicht mehr essen, bis zu dem Tag an dem ich die Erkenntnis gefunden habe, warum du gegangen bist, hatte ich doch immer alles für dich getan, war immer für dich dagewesen.
Und wenn es sein muss wird diese Frage mein Krebsgeschwür sein, welches mir den Tod bringt, wird es das Gift in mir sein, welches meinen Atem verschlingt und mich unfähig macht an etwas anderes zu denken, als an dich.

Und ganz im Vertrauen, manchmal ist es sogar soweit, dass ich denke, ich sollte den Hahn des Gasherdes aufdrehen und einfach nur warten, in der stillen Gewissheit, das dieses Ausharren sich wenigstens lohnte. Aber ich betrachte dann die Zeichnungen an der Wand, diese Riefen, vermengt mit Blut, diese Gebilde des ewigen Schmerzes.

Was ich tun soll, will ich wissen. Denn all das Harren nützt nichts.... Nützt nichts, verändert nichts... Ist nur Verrat an mir selbst und meinem Leben, so wie du Verrat an meiner Liebe begangen hast... Denn sag mir, was soll ich ohne dich jetzt hier noch tun?

Robert Bahr

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entstandene Texte:

Blutgeige, weil mich das rote Kleid so anmachte (...)
Von Tränen benässte Tücher
Trockenpeeling (möchte ich auch haben)
Geige: Staccato
Erwacht in der Narbelschnur
Und doch ins Grab zurückgetrieben
In den Klängen der Laute
Warum malt der Totengräber - verdammt noch mal - mit Schwarz?
Einsam erwacht zu den Klängen der Laute
Sehnsuchtsregengeplätscher
Zu in Tränen geweihten Tüchern

Thilo Frode

 

ein sein
allein sein
dabei sein
frei sein
zwei sein
sein sein

vergehen
vergeben
vergebens
verlangen
versuchen
verloren
vergangen

befreien
beeilen
beisammen
bei mir
bei dir

crishnamo

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Sonntag, 20. Mai 2007; Thema: "Bewegte Worte"
Lisa und Sophie haben Goethes "Mit einem blauen Band" tänzerisch umgesetzt. Der Text wurde nicht vorgelesen, die Zuschauer schrieben das Gedicht "neu" - indem sie Assoziationen verarbeiteten, die sie bei der Vorführung hatten. Hier einige Beispiele:

Original: Joahnn Wolfgang Goethe - Mit einem blauen Band

Kleine Blumen, kleine Blätter
Streuen mir mit leichter Hand
Gute junge Frühlings-Götter
Tändelnd auf ein luftig Band.

Zephyr, nimm´s auf deine Flügel,
Schling´s um meiner Liebsten Kleid;
Und so tritt sie vor den Spiegel
All in ihrer Munterkeit.

Sieht mit Rosen sich umgeben,
Selbst wie eine Rose jung.
Einen Blick, geliebtes Leben,
Und ich bin belohnt genung.

Fühle, was dies Herz empfindet,
Reiche frei mir deine Hand,
Und das Band, das uns verbindet,
Sei kein schwaches Rosen-Band!

 

Spinnenweben

alle diese Spinnenweben, von den Spinnen, die drinnen leben
du kannst sie besser greifen, wenn sie ein wenig reifen
auf ihnen balancieren und den Geruch erleben
dich selbst damit verzieren, dich mit ihnen bekleben
einander einzuwickeln erzeugt ein leichtes Prickeln
ein Drahtseilakt auf feinen Weben mit wackeligen Beinen
vergrab dich in der Seide der Spinne doch vermeide
dich im Spiegel zu betrachten, denn eins ist zu beachten
hängst du erst einmal richtig am Faden ist es wichtig
dich selbst nicht zu vergessen und die Auswirkungen dessen
wenn man sich zu sehr zuschnürt den Blick dafür verliert
dass solch ein kleiner Faden einen nicht geringen Schaden
für Körper und für Geist bedeutet und dass heist
das Herz fängt an zu pochen, es wackeln alle Knochen
du rennst wie wild umher und weißt schon gar nicht mehr
warum der ganze Hokus Pokus, du verlierst den Fokus
doch im Großen und Ganzen gehts eigentlich nur ums Tanzen

uschihund

 

Blütenstaub & Blütenlaub
erblüht und sprüht die Nase taub
die Pechmarie will auch davon
's gefällt ihr nicht und wirfts davon - Pech!
Ein dünnes Seil trennt Glück und Pech
Da kommt der Wind und fegts ihr weg
Marie Marie versteck dich nicht
Bist schön - als Spiegel im Gesicht
Problem erkannt Depression gebannt
Und trotzdem erstmal gegen die Wand
'S ruft Musik, 's ruft der Tanz 's ruft als lieblicher Jüngling mit Kranz
Sie sahn sich von weitem und wollten sich treffen doch hatten beide die Brille vergessen
Erschöpft vom Suchen am Boden verbrannt - klopft's Herz wie'n Kuchen sie hattn sich erkannt
Oh Flop oh Graus wie sieht der denn aus? Ablenkung mit Ersatzmaterial Ratzbatz
Doch was man anfängt beendet das Leben, Pechmarie bleib dran, nicht Flucht ist Streben
Und endlich, glücklich und vereint, wurde es eine richtige Liebesbeziehung.
.......................................................................................................................Max Flierl

 

Die Weberinnen

Sie begutachteten die Waren
flauschig und duftend die frische Wolle
die soeben noch auf dem Felde hing
Mit zarten Fingern vom Strauch gepflückt
Jene wird mit Liebe und Sorgfalt zu einem robusten
Garn versponnen, fein und fest.
Die Spindel kreist mit einer Anmut
wie eine schöne Frau, die sich im Tanze dreht
'draus werden Kleider leicht und fein.
Und gibt es doch kein Brot - groß die Not.
Doch jedes Stück ist ein Spiegel desjenigen, der
sie trägt, ist die Not auch groß
Kleidung ist kein Ersatz für Brot.
Allein kann kein Kampf gelingen, sie
schließen sich zusammen: "Solidarität, ihr Weberinnen!"
Der Aufstand wird niedergeschlagen, jetzt sind
viele tot. Doch noch schlägt das Herz.
"Arbeiter, sie brauchen euch!"
Wir halten zusammen bis zum letzten Atemzug.
.....................................................Florian Winkler & Maximilian Feldmann


Die Linien meines Lebens


Ich verkrampfe mich wegen der schrecklich frischen Blumendüfte. Schmerzen bereitet mir die Vielfalt.
Verteile meine Freude meine Düfte, die gesammelten, und fangen will sie auch nur ich. Halten kann ich`s nicht, es fällt zu Boden und ich ziehe mit ihm.
Staksend folge ich ihnen, versuche Balance zu halten, auf dem brüchigen Pfad des Lebens. Fliege mit meinen Düften wild umher, hoch hinauf bin ihnen so nah, ihrer Reinheit leicht und voller Pracht.
Reibe mich an ihnen, suhle mich in ihnen, in mir- mit mir, die Liebe zum Geruch, versuche sie zu halten.
Kann mich endlich sehen, meine Haut, meine Lippen. Fühle mich ganz mit mir, die Liebe zu mir.
Will sie greifen, doch trennt uns der dicke sterile Quark des Lebens, welcher über mir liegt, ich streif ihn und die Last dessen ab, fühle mich frei, frei zu atmen.
So frei zu sein macht mich suchend, irrend nach Halt.
Haltlos taumle ich wahnsinnig umher, wie betrunken, berauscht von dem Gefühl dem Geruch. Ich fange ihn und das Leben mit weiten Armen, zu viel- ich fall.
Mein Herz es schlägt so laut, will durch meine Haut, sucht sich seinen Weg.
Sucht sich einen Partner einen Halt im Sein. Findet ihn in mir, klammert sich an mir- in mir fest.
Keine Flucht eins mit mir.
Die Linien meines Lebens
...........................................................................................................Linda Stelzner

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Sonntag, 29. April 2007, Thema "Frühlingssinfonie:

Frühlings Hip Hop

Strahlende Augen, lachende Gesichter
irgendwas ist anders, das war vorher nicht da!
Der Flieder boomt, die Vögel singen
ich geh wohl heute noch vom 10er springen
Der blaue Himmel lässt mich träumen
ich muss raus, will ja nichts versäumen
Die Leute, die sind draußen an Mut fehlt es nicht
drum lass uns was bewegen, hier ist die positive Sicht!
witt witt, witt witt
schrr, schrr
zwitsch, zwitsch, zwitsch quio

Das sind die Vögel auf den Bäumen,
die wollen auch träumen
Das sind die Menschen auf der Welt
Jeder ist ein Held

Lebet den Frühling!

Sarah Laudien; Wicki Bernhard

Die Straßen sind voll
Die Parks sind voll
Die Sonne ist voll
Heiß Hell Heftige Hitzewelle

Alle wachen mit verstopften
Pollennasen auf
Alle gehen dreckig
und schwitzend nach Haus

Ich geh raus auf die Straße,
eigentlich wollte ich in den Friedrichshain,
Anton fragte mich Danziger nach Kaffee
Wir spielen Django Helmholtzplatz
Mütter rufen uns hinterher "Kommt wieder!"
Sophie hat auch keinen Kaffee

Wieder Helmi spielen wir zwei Lieder von mir
Jan spielt im Platzhaus krasses Schlagzeugsolo
Gitarren Mandoline Geige Bass
und singen wir bis zwei Uhr nachts
und das geht nur noch so

ist das der Frühling?

Die Dinge gehen ineinander über
Mach keinen Plan!
Geh wegen der Pollen zum Arzt
Sag ja zum nächsten Ereignis.

Max Flierl

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